UPDATE 14. Oktober 2024 Die Medizinverbrechen, auch Krankenhausmorde genannt, sind ein oft noch unbekannter Teil und Strategie des Nazi-Ideologie: Behinderte Menschen wurden zwangssterilisiert, isoliert und umgebracht, weil sie nicht in das Rassenhygiene-Konzept passten. Auguste Döhle, Johann Meyer und Bertine „Betty“ Denker waren drei von über 200.000 Opfern der NS-Medizinverbrechen. Sie lebten in Bremen-Oberneuland.
Dieser Blog soll einen Beitrag gegen das Vergessen leisten. Auch der Oberneuland, ländlicher Stadtteil in Bremen, hat eine NS-Vergangenheit. Am ehemaligen NSDAP-Parteigebäude in der Oberneulander Landstraße ziert bis heute ein Hitler-Spruch die Frontseite. Es gibt (bislang) keine öffentliche Auseinandersetzung mit der Nazizeit und den in Oberneuland wirkenden Nazis, deren Nachkommen heute noch hier leben – und mehr oder weniger Bescheid wissen. Auch in meiner Familie wurde darüber geschwiegen, dass meine Großväter Mitglieder der NSDAP gewesen waren. Es gibt ebenso Angehörige von Opfern, die ebenfalls noch hier leben.
Ich habe mich auf die Spuren von Auguste Döhle begeben, ihr Schicksal recherchiert und aufgeschrieben. 2023 wurde für sie der erste Stolperstein in Oberneuland verlegt. DEswegen trägt der Blog ihren Namen. Ich hatte Unterstützung wie den Bürgerverein Oberneuland, das Krankenhausmuseum Bremen-Ost und die Stolperstein-Initiative Bremen. Aufgeschlossene Nachbarn und Angehörige haben beigetragen, dass es möglich wurde, eine vergessene Nachbarin, einen vergessenen Namen in die gegenwart zu holen.
Manch sagen: Was soll der alte Kram, das ist doch vorbei. Ich sage: Wer die Vergangenheit vergisst, kann aus ihr nicht lernen. Heute werden immer noch Menschen mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen diskriminiert. Die Gesellschaft will Inklusion, dennoch haben es behinderte Menschen weiterhin schwerer, gute Bildung zu erhalten, einem Beruf ihrer Wahl nachzugehen und ein würdiges Einkommen zu haben. Sie haben ein höheres Gewaltrisiko, insbesondere Frauen. Sie lbeben häufiger in ärmeren Verhältnissen. Die Wurzeln für diesen Missstand liegen auch in der Nazizeit.
Bremen, Frühjahr 2023/Herbst 2024
Kersten Artus
