Berührende Zeremonien in der Apfelallee

Manchmal sagen Bilder mehr als tausend Worte … die Verlegung der beiden Stolpersteine für Johann Meyer und Bertine „Betty“ Denker in der Apfelallee in Bremen-Oberneuland am 23. Oktober war gut besucht. Fast 40 Nachbarinnen und Nachbarn waren gekommen, um daran teilzuhaben. Von der Stolperstein-Initiative gab es durch Karola Renemann und Peter Christophersen erläuternde Worte. Oberneuland sagt Danke!

Predigt: Vergiss nicht, was Deine Augen gesehen haben

Kirche St. Johann, Oberneuland

13. Oktober 2024: In zehn Tagen werden die Stolpersteine für Betty Denker und Johann Meyer in der Oberneulander Apfelallee verlegt. Pastor Frank Mühring hat an diesem Sonntag im gut besuchten Gottesdienst über die beiden gesprochen. Hier sind Auszüge aus seiner Predigt:

Ein goldener Fleck im trüben Herbst. Strahlend hell, nicht zu übersehen. In 10 Tagen werden zwei Stolpersteine in der Apfelallee 4 und 8 in Oberneuland in den Gehweg gesetzt. Gehwegsteine zum Darüberstolpern. Zum Innenhalten. Sie sagen: Sieh genau hin! Schau nicht weg! „Hier wohnte Johann Meyer. Geboren 1905 in Rockwinkel, gestorben 1942 in Hadamar.“ Und, zwei Häuser weiter: „Hier wohnte Bertine Denker. Geboren 1899 in Oberneuland, ermordet 1944 in Wehnen.“ Da wird an zwei Menschenleben erinnert, die viel zu früh zu Ende gingen. Da sind ein Mann und eine Frau aus unserer Mitte ermordet worden. Wir wollen über diesen Stein stolpern und nachdenken – mit dem Kopf und mit dem Herzen.

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Nachbarschafts-Info: Zwei weitere Stolpersteine in Oberneuland

Auszug aus dem Klassenbuch

Mittwoch, den 23. Okt. 2024, werden gegen 12 Uhr mittags zwei weitere Stolpersteine in Oberneuland verlegt: In der Apfelallee vor Nr. 4 für Heinrich Johann Meyer und vor Nr. 8 für Bertine „Betty“ Denker. Wenn Sie Zeit haben, kommen Sie gern dazu. Stolpersteine erinnern an Opfer des NS-Regimes und sind kleine Betonquader. In 30 Ländern Europas wurden sie bislang in Bürgersteige eingelassen – an den jeweils zuletzt freigewählten Wohnorten der Menschen. Hier in Kürze, wer Johann und Betty waren und was mit ihnen geschah:

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8. Juli 2024: Bericht im Weser Kurier

Im Stadtteilkurier des Weser Kuriers am 8. Juli 2024 berichtet Maren Brandstätter über die geplante Verlegung vcon zwei Stolpersteinen für Johann Meyer und Betti Denker. Der Termin ist jetzt auch bekannt: Die Steine werden am Mittwoch, den 23. Oktober 12 Uhr in den Bürgersteig der Apfelallee vor Nr. 4 und Nr. 8 eingelassen. Es ist wahrscheinlich, dass es nicht ganz pünktlich losgeht, weil zuvor andere Steine in anderen Stadtteilen Bremens verlegt werden. Ein Nachbarschaftsinfo wird in der Apfelallee Anfang Oktober verteilt.

Zwei weitere Stolpersteine in Oberneuland für Opfer der NS-Medizinverbrechen

Im Herbst 2024 werden zwei weitere Stolpersteine in Oberneuland verlegt, für Johannes Meyer und für Bettina Denker. Johann Meyer kam 1905 zur Welt und wohnte mit seinem jüngerem Bruder und seinen Eltern in der Apfelallee 4. Er hatte in der Schule gute Noten. Bei ihm wurde, als er 27 Jahre alt war, Schizophrenie diagnostiziert. Er wurde zwangssterilisiert und nach Hadamar verlegt. Dort arbeitete er noch einige Jahre in der Gartenkolonie, bis er – vermutlich durch eine Luftinjektion, ermordet wurde. Betty Denker kam 1899 als ältestes von fünf Kindern zur Welt und wohnte in der Apfelallee 8. Sie wurde mit 19 Jahren Mutter eines unehelichen Kinders, Alfred. Sie gebar ein weiteres Kind, das wie ihr Vater Steffen hieß. Betty soll geistig behindert gewesen sein, auch wenn ihre Noten ein anderes Zeugnis ablegen. Sie wurde nach Wensen verlegt und kam dort, vermutlich durch Unterernährung, ums Leben.

Die Verlegung der beiden Stolperstein findet vermutlich Ende Oktober statt.

Juni 2024: Stolperstein geputzt

Sichtbar machen: Regelmäßig kann und darf ein Stolperstein geputzt werden. Er fällt dann auch wieder mehr auf. Das Hinabbeugen symbolisiert zudem eine Würdigung der Opfer. Abgesehen davon macht es keine Mühe und ist innerhalb von ein bis zwei Minuten geschafft, inklusive Polieren.

Sie war unsere Nachbarin!

Fotos: Artus

Die Verlegung des Stolpersteins für Auguste Döhle war ein bewegendes Ereignis. 25 Menschen waren gekommen, um bei der Zeremonie vor dem Haus Mühlenweg 10 in Oberneuland dabei zu sein. Darunter viele Ältere, die sich noch gut an die Familie Blome erinnerten, bei der Auguste Döhle zuletzt gelebt hatte. Der 93-jährige Richard Löffler, der gegenüber wohnt, erzählte, dass er damals in Osterholz gelebt hatte und er und seine Nachbarn mitbekommen hatten, wenn die Menschen aus „Ellen“ nach Meseritz-Obrawalde verlegt, oder besser gesagt, deportiert wurden. Einer hatte ihm gesagt: „Ich komme nicht mehr wieder.“

Auguste Döhle war unsere Nachbarin. Sie zu würdigen, 80 Jahre nach ihrer Ermordung durch die Täter im NS-Medizinapparat, ist eine große Ehre und eine Mahnung: Nie wieder dürfen jene an die Macht kommen, die anderes Leben für minderwertig erklären. Daran erinnert künftig nun auch ein Stolperstein in Oberneuland – es ist der erste in Bremens östlichstem Stadtteil.

Danke an die Kollegen, die den Stein verlegt haben. Danke an die Bremer Stolperstein-Initiative. Danke an Kay Entholt vom Bürgerverein und Beirat, danke an Michael Blome. Danke an alle, die heute dabei waren.

Meine Bitte an alle Oberneulander:innen: Wenn Ihr durch den Mühlenweg kommt, bleibt einen Moment vor dem Stein stehen – vielleicht legt ihr eine Rose dazu.